1. Rhöner Schinken- und Destillationsmarkt

Der fromme Papagei

Im vergangenen Jahrhundert sind aus Grüsselbacher Familien überdurchschnittlich viele geistliche Berufe hervorgegangen, in 40 Jahren sechs Priester und einige Ordensfrauen. Das fand Beachtung – in bischöflichen Kreisen sprach man vom „geistlichen Mistbeet“ Grüsselbach.

Die Gastwirtsfamilie Hahn hatte diesbezüglich jedoch nichts vorzuweisen. Sie besaßen aber einen frommen Papagei. Jako, wie sie ihn nannten, kam aus Kamerun. Geheimrat Reinhold Hahn, ein Sohn des Hauses, hatte ihn von dort mitgebracht. Jako konnte sprechen. Einst, an einem Fronleichnamstag, als sich die Prozession betend um einen Altar unweit von Jakos geöffnetem Fenster versammelt hatte, ertönte plötzlich seine Stimme „Vater unser…“ und dann auch das „Gegrüßest seiest du Maria…“. Jako hatte es wohl oft genug gehört, um es gut verständlich vortragen zu können. Seine fromme Absicht war wohl missverstanden worden und löste bei den Wallfahrern eher Belustigung aus.

Es war das einzige Mal, dass die Grüsselbacher bei einer Fronleichnamsprozession eine derart künstlerische Einlage erleben konnten. Zukünftig wurde Jakos Fenster bei solchen Anlässen geschlossen, um die Wallfahrer in ihrer Andacht nicht zu irritieren.

Quelle: Rasdorfer Geschichtsblatt Nr. 17/2005, Seite 4