1. Rhöner Schinken- und Destillationsmarkt

Der Rasdorfer Galgen

Früher ging man bekanntlich mit Übeltätern nicht sehr zimperlich um. Da war es gar keine Seltenheit, wenn einer mit dem Scharfrichter Bekanntschaft machte oder am Galgen landete. Die Menschen sind ja bis heute immer schneller mit dem Schlechtmachen und Verurteilen bei der Hand als mit dem Helfen und Verstehen.

Wie dem auch sei, zu jenen Zeiten hatten auch die Rasdorfer einen Galgen, den sie auch fleißig „benutzt“ haben sollen.

Der nächste Galgen stand in Geisa; und dort hatte man wieder einmal so einen zwielichtigen Vogel aufgegriffen und wollte ihn ohne langes Federlesen aufhängen. Aber als sie dann soweit waren, da stellte es sich heraus, daß der Querbalken ihres Galgens unterdessen so morsch geworden war, daß er so nicht mehr zu gebrauchen war.

Daher mußten sie sich notgedrungen nach Rasdorf bequemen und dort anfragen, ob sie deren Galgen ausnahmsweise einmal benutzen dürften. Gern taten sie das allerdings nicht.

Man muß nämlich wissen, daß sich die Geisaer und die Rasdorfer von je her nicht sehr grün waren. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, daß die Rasdorfer das Geisaer Anliegen kurz und bündig zurückwiesen: „Es kommt gar nicht in Frage, daß wir unseren Galgen verborgen. Den haben wir angeschafft für uns, unsere Kinder und Kindeskinder!“

Quelle: „Es haädd au nuch schlemmer konnd gewaär“ von Walther Heller
in Rasdorfer Geschichtsblatt Nr. 13/2004, Seite 14