1. Rhöner Schinken- und Destillationsmarkt

Einbrecherjagd auf dem Gehilfersberg

Im Januar 1996 war es, als ein Rasdorfer Jäger, nichts Böses ahnend, von seinem Hochsitz nach einem Rotfuchs Ausschau hielt. Gegen 19 Uhr in dieser hellen Mondnacht vernahm er plötzlich dumpfe Schläge aus Richtung Gehilfersberg. Um diese Zeit ließen derartig aggressive Geräusche nichts Gutes ahnen. Schnell begab er sich zum dortigen Parkplatz.

Da stand ein Mofa – und immer noch die Schläge. „Ein Einbruch in die Kapelle!“ war sein Gedanke. 

Vorsichtshalber zog er den Benzinschlauch vom Mofa ab und eilte bergauf. „Allein gegen vielleicht mehrere rabiate Einbrecher?“ schoss es ihm durch den Kopf.

Aber im Vertrauen auf seine Flinte und dem zu erwartenden Beistand der Vierzehn Nothelfer näherte er sich unerschrocken dem Ort des Geschehens. „Jetzt sind wir gleich drin!“ freuten sich die beiden Einbrecher, die mit Axt und Brecheisen die linke Kirchentür zerschlugen. „Ihr seid noch nicht drin!“ ertönte des Jägers Stimme, sein Gewehr im Anschlag. „Werft die Axt weg und stellt euch!“ Die Axt ließen sie fallen, ergriffen jedoch die Flucht.

Einer hatte sich in ein Gebüsch geworfen, um sich dem Verfolger zu entziehen. „Komm raus oder es passiert was!“ Der jedoch drückte sich noch tiefer ins Gebüsch. „Ich hab‘ Zeit,“ rief der Jäger, „aber du wirst erfrieren, wenn du hier liegen bleibst!“ Doch schon bald riss dem Waidmann der Geduldsfaden und er feuerte einen Schuss in die Luft. Da sprang der Kirchenschänder aus seiner Deckung. „Nicht schießen, nicht schießen!“ rief er.
Mit erhobenem Gewehr in angemessenem Abstand trieb Jäger Winfried den jammernden Frevler ins Dorf. Mit Hilfe des Gehilfersberg-Küsters konnte er sodann der Polizei übergeben werden.

Dieser 17-jährige, schwer erziehbare, Jugendliche aus dem Fuldaer Raum war in Rasdorf in Einzelbetreuung untergebracht. Er hatte die Abwesenheit seines Betreuers ausgenutzt, um mit einem gleichgesinnten Kumpel, der mit dem Mofa angereist war, diese  schändliche Tat auszuführen.
Was sich hier ein wenig nach Jägerlatein anhört, ist bittere Wahrheit. Dem Jäger Winfried Trost ist es zu verdanken, dass durch sein mutiges Auftreten Schlimmeres verhindert werden konnte.

Schon 1920, wie in der Schulchronik berichtet, hatten Einbrecher die gleiche Tür eingeschlagen. In einer Zeit, von der man annehmen könnte, dass die Menschen  noch Respekt und Achtung vor sakralen Einrichtungen hatten.

„Am Freitag vor Pfingsten wurde die Kapelle auf dem Gehilfersberg von Einbrechern heimgesucht. Diese erbrachen die Tür an der Nordseite, drangen in das Innere ein, demolierten die Tür des Schrankes in der Sakristei und verbrannten in der Kapelle drei Meßgewänder. 
Wertgegenstände waren in Sicherheit. Die Einbrecher nahmen ihren Rückzug durch den Hellenberg. Man fand dort nach einigen Tagen aus der Kapelle entnommene Leinentücher.“

Christa Wiegand

Quelle: Rasdorfer Geschichtsblatt Nr. 11/2003, Seite 10